Spannung in der automobilen Wertschöpfungskette - Schluss mit der Beliebigkeit in den Lieferantenbeziehungen

3. FACTON Fachkongress

Konkurrenz aus Fernost, EU-Vorgaben zur CO2-Senkung und die Entwicklung klimaschonender Antriebe: Der gewaltige Innovations- und Kostendruck, den die technologische Zeitenwende mit sich bringt, lastet schwer auf der Beziehung zwischen Herstellern und Zulieferern. Auf dem 3. FACTON-Kongress „Spannung in der automobilen Wertschöpfungskette“ fanden sich am 29. September 2010 hochkarätige Vertreter von OEMs und Lieferanten im Grandhotel Schloss Bensberg zusammen, um gemeinsam nach neuen Wegen der Zusammenarbeit zu suchen.
  

„Das Korsett für die Zusammenarbeit von Autoherstellern und Zulieferern wird enger“, so das Resümee von Engelbert Wimmer, Mitglied der Geschäftsleitung der PA Consulting Group. Um die Antriebe der Zukunft zu realisieren, seien gewaltige Kostenanstrengungen vonnöten. In der Folge steige der Druck auf sämtliche Lieferanten an. Ebenso wie die Entwicklung neuer Antriebstechnologien lasse auch die Verbesserung der konventionellen Antriebe die Fahrzeugkosten in die Höhe schnellen – und treibe damit den Kostendruck weiter an.

Um sich in diesem Spannungsfeld als Lieferant zu positionieren, müssen Zulieferer sich über Innovationen vom Wettbewerb differenzieren. Wie aber lässt sich diese Innovationskraft finanzieren? Dr. Marcus Klopp, Leiter Vorentwicklung der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG., nennt neben einer erhöhten Umlage auf die laufenden Gewinne, die gemeinsame Entwicklung mit den OEMs sowie die Drittmittelforschung als Alternativen. Für einen schnellen und kostengünstigen Einstieg in neue Geschäftsfelder setzt Brose auf das Vorantreiben kernkompetenzbasierter Innovationen. „Gerade auch im Hinblick auf Innovationen müssen Zulieferer ihre Kosten im Griff haben“, betonte Kopp. Entscheidend seien darüber hinaus eine fundierte Expertise sowie eine stete Prüfung aktueller und künftiger Markttrends.

Ebenfalls ganz im Zeichen nachhaltiger Trends stand der Beitrag von Prof. Dr. Kampker von der RTWH Aachen. Am Beispiel des Projekts „StreetScooter“ erläuterte Kampker die Voraussetzungen für die serientaugliche und wettbewerbsfähige Produktion von Elektrofahrzeugen. „In etablierten Strukturen lassen sich Elektrofahrzeuge nicht wirtschaftlich und marktgerecht produzieren“, so Kampker. Um die Potenziale der neuen Antriebsart zu nutzen, sei ein von Grund auf neues Fahrzeugkonzept vonnöten. Die Lösung: ein streng modularer Aufbau des StreetScooter sowie die Schaffung von Quasi-Standards über einen Industriebaukasten.

Nicht nur Produktionsprozesse, auch Unternehmenskulturen müssen weiterentwickelt werden, um den Marktanforderungen gerecht zu werden. Wie ein aktives Change Management aussehen kann, erläuterte Dr. Willibert Schleuter, ehemaliger Leiter Entwicklung Elektrik/ Elektronik der Audi AG. Nachdem Audi 1996 einen unrühmlichen letzten Platz in der J.D. Power Fehlerstatistik belegte, setzte Schleuter auf eine radikale Änderung der Führungskultur. Seine Erfolgsfaktoren: kreative Unruhe, Konfliktfähigkeit und kurze Kommunikationswege – vor allem aber ein hohes Maß an Eigenständigkeit. „Man muss den Mitarbeitern eine Vision geben“, so Schleuters Forderung.

Globalisierung, Bevölkerungswachstum und eine nachhaltige Veränderung der gesellschaftlichen Binnenstruktur prägen die Mobilität im 21. Jahrhundert. Dieter Althaus, Ministerpräsident a.D und Vice President Corporate Marketing & Sales VW bei Magna, rief Hersteller und Zulieferer dazu auf, diese Veränderungen als Chance zu nutzen. Für die Zulieferer bedeute dies, sich verstärkt auch als Entwickler zu verstehen und vor allem die Bereitschaft mitzubringen, den OEMs auf ihrem Weg in die Globalisierung zu folgen.

Klare Worte kamen auch von Rainer Schmückle, langjähriger COO bei Mercedes Benz Cars: Es müsse Schluss sein mit der Beliebigkeit in den Lieferantenbeziehungen. Mehr Berechenbarkeit und Vertrauen müssten künftig die Basis bilden für eine langfristige Zusammenarbeit. „Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbes bilden die europäischen OEMs und ihre Zulieferanten eine Schicksalsgemeinschaft gegen die asiatischen Wettbewerber“, prognostiziert Schmückle. „Eine absolut makellose Zusammenarbeit zwischen Autoherstellern und Lieferanten kann in diesem Kampf unser größtes Asset sein.

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Senior Marketing & PR Manager
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